100 Jahre Volksabstimmung in Kärnten / Koroška

Bundespräsident Alexander Van der Bellen entschuldigte sich bei den Kärntner Sloweninnen und Slowenen - ebenfalls in slowenischer Sprache - für die Ungerechtigkeiten und Verzögerungen bei der Ausübung ihrer garantierten Rechte. In seiner Rede zitierte Van der Bellen Artikel 8 des österreichischen Verfassungsgesetzes, in dem Österreich die sprachliche und kulturelle Vielfalt befürwortet, die sich in autochtonen nationalen Volksgruppen ausdrückt, und dass Sprache, Kultur und Existenz dieser  Gemeinschaften gepflegt, geschützt und unterstützt werden müssen, und dass Österreich dies in der Vergangenheit nicht immer respektiert hat.

Bild: ORF TvThek 

In seiner Rede sagte der slowenische Präsident Borut Pahor, dass Klagenfurt mit der heutigen gemeinsamen Zeremonie die symbolische Hauptstadt eines vereinten Europas sei. Er fügte hinzu, dass das gemeinsame Gedenken insbesondere auf grundlegenden europäischen Werten beruht - Frieden, Koexistenz, Solidarität, Respekt, Integration und Zusammenarbeit.

Beide Präsidenten erhielten zu Beginn der Zeremonie sowie am Ende der Rede stehende Ovationen.

Der Präsident des ZSO einer der slowenischen Dachorganisationen, Manuel Jug, sprach im Namen der Kärntner SlowenInnen, und erhielt für seine Rede einen langen Applaus. In einer zweisprachigen Rede betonte er, dass die Herausforderung für Kärnten / Koroška darin bestehe, die slowenische Sprache und Kultur zu bewahren. Er sagte, dass alle Fragen im Zusammenhang mit Minderheitenrechten noch nicht geklärt und gelöst worden seien, dass jedoch "einschließlich der Bestimmungen von Artikel 7 des österreichischen Staatsvertrags" in einem Rat des Bundeskanzleramts und im Dialogforum "koordiniert" werden sollte. 

In ihrer Rede räumte die österreichische Ministerin für Frauen und Integration, die auch für die Volksgruppen zuständig ist, Susanne Raab (ÖVP) ein, dass die Zusammenarbeit mit den Kärntner SlowenInnen in den letzten hundert Jahren belastet war, und betonte, dass sie heute gut funktioniert; gekennzeichnet durch ein gegenseitiges Verlangen nach Verständnis.

Ihrer Meinung nach ist jede der sechs autochtonen Minderheiten in Österreich Teil der "österreichischen Identität, unserer Geschichte und unseres Selbstbildes", und die dauerhafte Erhaltung ihrer heutigen und zukünftigen Existenz ist eine historische Verantwortung. Sie äußerte auch den Wunsch, dass sie den gemeinsamen Weg der Versöhnung nie wieder verlassen würden.

Der Vizekanzler und Minister für Kunst, Kultur, öffentliche Verwaltung und Sport, Werner Kogler (Grüne), erwähnte ebenfalls Artikel 8 des österreichischen Verfassungsgesetzes und betonte, dass die Regierung dies uneingeschränkt anerkenne. In seiner Rede äußerte er auch die Hoffnung, dass der 10. Oktober in Zukunft auch ein Feiertag für die Kärntner SlowenInnen sein könnte. Das zweisprachige Zusammenleben sei ein Vorteil und ein Vorbild für Europa.

In einer langen Rede dankte der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) den beiden Präsidenten für die Teilnahme am Festakt. Er betonte die Verbesserung der Atmosphäre in Kärnten / Koroška und forderte das Slowenische auf, "Annäherung und Vertrauen" in den Vordergrund zu stellen und auf eine gemeinsame Zukunft in einem vereinten Europa zu schauen.

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Der Originalartikel vom ORF in slowenischer Sprache ist hieir zu finden. 

Den gesamten Festakt zur Feier des 100 Jähreigen Jubiläums finden Sie hier