Europarat: Fortschritte beim Schutz der Minderheitensprachen in Österreich, weiterer Handlungsbedarf bleibt

30.09.2026

Österreich hat in den vergangenen Jahren Fortschritte beim Schutz und bei der Förderung seiner Minderheitensprachen erzielt. Gleichzeitig besteht weiterhin Handlungsbedarf, insbesondere im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung und im Justizbereich. Zu diesem Ergebnis kommt der Europarat in seinem sechsten Evaluierungsbericht zur Umsetzung der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen, der im September 2026 veröffentlicht wurde.

Der Bericht untersucht die Situation der sechs in Österreich durch die Charta geschützten Minderheitensprachen: Burgenlandkroatisch, Tschechisch, Ungarisch, Romani, Slowakisch und Slowenisch. Die Charta ist in Österreich seit 2001 in Kraft. Grundlage der Bewertung sind unter anderem Gespräche, die eine Delegation des Sachverständigenausschusses des Europarates im Rahmen eines Monitoringbesuchs mit Behörden und Vertretern der Volksgruppen führte.

Der Europarat bescheinigt Österreich ein gut entwickeltes System zum Schutz und zur Förderung der Minderheitensprachen sowie einen grundsätzlich guten Dialog zwischen den Behörden und den Sprachgemeinschaften. Positiv bewertet werden unter anderem Maßnahmen zur Förderung der Zweisprachigkeit in der öffentlichen Verwaltung, Verbesserungen im Vorschulbereich sowie neue Lehrpläne, die eine stärkere Berücksichtigung der Sprachen, Kulturen und Geschichte der sechs Volksgruppen vorsehen.

Auch die Initiativen des österreichischen Parlaments anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Volksgruppengesetzes im Jahr 2026 werden hervorgehoben. Sie sollen die Sichtbarkeit der Volksgruppen und ihrer Sprachen erhöhen.

Trotz der Fortschritte stellt der Europarat weiterhin Defizite fest. Insbesondere in Wien und der Steiermark fehle eine strukturierte und langfristige Strategie zum Schutz und zur Förderung der Minderheitensprachen.

Als Beispiel nennt der Bericht die Komenský-Schule in Wien, die zweisprachigen Unterricht in Tschechisch und Slowakisch vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe anbietet. Die Einrichtung gilt als Vorbild für andere Volksgruppen, kämpft jedoch weiterhin mit finanziellen Schwierigkeiten. Der Europarat fordert deshalb eine langfristige Lösung zur Sicherung ihres Bestehens.

Weitere Probleme bestehen beim Mangel an qualifizierten zweisprachigen Lehrkräften, insbesondere im Vorschulbereich, sowie bei der Verfügbarkeit geeigneter Unterrichtsmaterialien.

Fortschritte verzeichnet der Europarat auch bei der Verwendung von Minderheitensprachen im öffentlichen Leben. So wurden in Kärnten 100 Onlineformulare der lokalen Verwaltung ins Slowenische übersetzt. Im burgenländischen Schandorf/Čemba bietet ein 2023 eröffnetes Pflege- und Seniorenheim Betreuung in Burgenlandkroatisch und Ungarisch an.

Dennoch empfiehlt der Sachverständigenausschuss weitere Maßnahmen, um die Verwendung des Burgenlandkroatischen, Ungarischen und Slowenischen vor Gericht und in der öffentlichen Verwaltung zu stärken.

Im Medienbereich hebt der Bericht hervor, dass alle sechs Minderheitensprachen vertreten sind, insbesondere durch Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ORF. Allerdings seien Umfang und Häufigkeit der Angebote für einzelne Sprachgemeinschaften weiterhin unzureichend.

Der Europarat empfiehlt Österreich daher, eine umfassendere Strategie für den Minderheitensprachenschutz zu entwickeln, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte auszubilden und die Verwendung der Minderheitensprachen im öffentlichen Leben zu erleichtern. Zugleich müsse das Bewusstsein für die Sprachen und Kulturen der Volksgruppen als Bestandteil des kulturellen Erbes Österreichs gestärkt werden.

Der Bericht macht deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen Wirkung zeigen, zugleich aber weitere Anstrengungen notwendig sind, um den langfristigen Erhalt und die Verwendung der Minderheitensprachen sicherzustellen.

Der vollständige sechste Evaluierungsbericht des Europarates ist auf Englisch verfügbar. Weitere Informationen bietet die Pressemitteilung des Europarates.