Haus der Volksgruppen im Burgenland eröffnet: Gemeinsames Zentrum für Kroaten, Ungarn und Roma

27.09.2026

Ein gemeinsamer Ort für Sprache, Kultur und Zusammenarbeit: Am 26. September 2026 wurde in Oberwart/Borta im österreichischen Burgenland das neue „Haus der Volksgruppen“ offiziell eröffnet. Das Zentrum vereint Organisationen der burgenländischen Kroaten, Ungarn und Roma unter einem Dach und bietet Raum für kulturelle Veranstaltungen, Bildungsangebote und den Austausch zwischen den Volksgruppen. Die feierliche Eröffnung fand am Europäischen Tag der Sprachen statt und wurde von einem Tag der offenen Tür begleitet.

Das Haus befindet sich im Gebäude des ehemaligen Städtischen Internats in Oberwart, das für rund 20 Millionen Euro umgebaut und neu gestaltet wurde. Bereits im Frühjahr 2026 wurden die Räumlichkeiten übergeben, anschließend begann ein Probebetrieb. Mit der offiziellen Eröffnung steht den Volksgruppen nun ein gemeinsames Zentrum zur Verfügung, das ihre Zusammenarbeit erleichtern und die Sichtbarkeit ihrer Sprachen und Kulturen stärken soll.

Im Haus sind unter anderem der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein, der Kroatische Kulturverein im Burgenland, der Verein Roma Service, die Roma-Volkshochschule Burgenland, die Volkshochschule der Ungarn sowie der mehrsprachige Radiosender Radio MORA untergebracht. Neben Büroräumen bietet das Gebäude Seminarräume, eine gemeinsame Bibliothek, einen Veranstaltungssaal, Gästezimmer, Wohnungen und ein öffentlich zugängliches Bistro. Damit sollen Möglichkeiten für Begegnungen, Bildungsarbeit und gemeinsame Projekte geschaffen werden.

Bei der Eröffnung bezeichnete der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil das Haus als „Jahrhundertprojekt“ und als „Meilenstein für das Miteinander und die kulturelle Vielfalt im Burgenland“. Oberwart sei der richtige Standort für ein solches Zentrum, betonte er. Attila Somogyi, Vorsitzender des ungarischen Volksgruppenbeirats, hob die Besonderheit des Projekts hervor: „So etwas ist in Europa einzigartig.“

Auch Josef Buranits, Vorsitzender des kroatischen Volksgruppenbeirats, unterstrich die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen den Volksgruppen. „Man muss gemeinsam auftreten. So wird auch die gemeinsame Koordinierung mit dem Land leichter“, erklärte er. Das gemeinsame Haus soll den beteiligten Organisationen ermöglichen, ihre Aktivitäten besser aufeinander abzustimmen und ihre Interessen gemeinsam zu vertreten.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier wurde außerdem der aus Rechnitz stammende Komponist, Dirigent und Musiker Christian Kolonovits mit dem Eurostar der österreichischen Verwertungsgesellschaft AKM für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Kolonovits, dessen Vater Kroate und dessen Mutter Ungarin ist, erinnerte dabei auch an den Wandel im Umgang mit den Minderheitensprachen: „Als ich groß geworden bin, durfte ich nicht kroatisch und ungarisch sprechen. Da muss man sich mal vorstellen, was sich da mittlerweile getan hat.“

Mit dem Haus der Volksgruppen erhält das Burgenland eine gemeinsame Infrastruktur, die den beteiligten Organisationen langfristige Arbeitsmöglichkeiten bietet. Entscheidend wird sein, wie die Einrichtungen und Vereine die neuen Räume für ihre sprachliche und kulturelle Arbeit nutzen und welche gemeinsamen Initiativen daraus entstehen.

Weitere Informationen und Bilder von der Eröffnung bietet der Österreichische Rundfunk (ORF). Einen ausführlichen Bericht hat auch Radio MORA veröffentlicht.