Domowina zeichnet Engagierte für ihren Einsatz für die sorbische Sprache und Kultur aus
15.10.2026
Die Domowina, der Dachverband der Lausitzer Sorben und Mitgliedsorganisation der FUEN, hat Menschen für ihr besonderes Engagement zugunsten der sorbischen Gemeinschaft ausgezeichnet. Bei der feierlichen Preisverleihung am 14. Oktober wurden drei Persönlichkeiten mit dem Domowina-Preis und acht weitere mit dem Ehrenabzeichen der Domowina geehrt. Die Auszeichnungen würdigen ihren langjährigen Einsatz für den Erhalt und die Weiterentwicklung der sorbischen Sprache, Kultur und Identität.
„Nicht Gesetze oder Strukturen halten unser Volk zusammen, sondern Menschen, die sich für ihre Heimat, die sorbische Sprache und Identität engagieren“, betonte der Domowina-Vorsitzende Dawid Statnik in seiner Begrüßungsrede.
Mit dem Domowina-Preis 2026 wurden Borbora Felberowa aus Komorow/Commerau, Kito Ela aus Chóśebuz/Cottbus und Ludwig Sachsa aus Radwor/Radibor ausgezeichnet. Alle drei haben das sorbische Gemeinschaftsleben über viele Jahre hinweg auf unterschiedliche Weise geprägt.
Borbora Felberowa setzt sich seit Jahrzehnten für den Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur ein. Von 2003 bis 2019 war sie als Pressesprecherin und persönliche Referentin bei der Domowina tätig. Seit 2008 leitet sie die Domowina-Ortsgruppe Commerau-Truppen-Königswartha und engagiert sich zudem als stellvertretende Vorsitzende des Regionalverbandes „Jan Arnošt Smoler“. Zu ihren Initiativen gehören sorbische Sprach- und Bildungsangebote sowie die Wiederbelebung regionaler Traditionen, darunter das Maibaumwerfen in Commerau. Ein besonderes Anliegen ist ihr die Begegnung zwischen sorbischen und deutschen Einwohnern.
Kito Ela hat sich insbesondere um die Förderung der niedersorbischen Sprache und die Bildungsarbeit in der Niederlausitz verdient gemacht. Als langjähriger Leiter der niedersorbischen Abteilung des WITAJ-Sprachzentrums in Cottbus trieb er die Entwicklung der frühkindlichen sorbischen Sprachförderung voran. Darüber hinaus engagierte er sich im Bundesvorstand der Domowina und vertrat bis 2024 die Niederlausitz im Minderheitenrat Deutschlands. Auch im Ruhestand setzt er sich für den Austausch zwischen Ober- und Niederlausitz sowie für die Interessen der sorbischen Gemeinschaft ein.
Ludwig Sachsa verbindet sein jahrzehntelanges Engagement in der Maćica Serbska und im Cyrill-Methodius-Verein mit praktischer Bildungs- und Umweltarbeit. An der Sorbischen Grund- und Oberschule „Dr. Maria Grollmuß“ in Radibor vermittelt er jungen Menschen handwerkliche Fähigkeiten und Wissen über ihre Heimat. Mit selbst gestalteten Projekten, darunter einem Waldpark mit dreisprachigen Informationstafeln, fördert er zugleich die Sichtbarkeit der sorbisch-deutschen Zweisprachigkeit. Über fast zwei Jahrzehnte dokumentierte er außerdem die Arbeit der Maćica Serbska fotografisch.
Neben den drei Preisträgern erhielten acht Persönlichkeiten das Ehrenabzeichen der Domowina. Geehrt wurden Doreen Šymańcowa (Schiemenz), Marlies Nagorina (Nagora), Siegmund Lehmann, Antonín Kříž, Florian Kießlich, Christin Rißmanowa (Rißmann), Jurij Wjesela und Martina Pečikowa (Petschick).
Ihr Engagement zeigt die Vielfalt der sorbischen Kulturarbeit. Doreen Schiemenz und Marlies Nagora setzen sich insbesondere für die Pflege und Weitergabe niedersorbischer Bräuche und Traditionen ein. Siegmund Lehmann engagiert sich für die Bewahrung der traditionellen wendischen Spreewaldfischerei, während Antonín Kříž seit Jahrzehnten die kulturellen Beziehungen zwischen Sorben und Tschechen fördert. Florian Kießlich erreicht mit seiner Arbeit in sorbischen Vereinen, digitalen Bildungsangeboten und als Musiker der Hip-Hop-Gruppe Nowa Doba insbesondere junge Menschen. Christin Rißmann vermittelt Kindern in der Schleifer Region sorbische Sprache und Traditionen. Jurij Wjesela bewahrt sorbisches Kulturerbe durch sein handwerkliches und künstlerisches Schaffen und sein Engagement im Sorbischen Männerchor „Delany“. Martina Pečikowa setzt sich unter anderem als Vorsitzende des Heimatvereins Tätzschwitz für die Sichtbarkeit sorbischer Sprache, Trachten und Ortsgeschichte ein.
In seiner Dankesrede erinnerte Kito Ela, der seit mehr als 63 Jahren Mitglied der Domowina ist, an die Verantwortung, die mit dem Engagement für die sorbische Gemeinschaft verbunden ist: „Das Wirken unter dem Dach der Domowina ist mehr, als sich in einem Verein zu engagieren. Man informiert, man erzählt über die Sorben und ihre Geschichte. Man hat einen Bildungsauftrag. Wir setzen uns mit Leidenschaft für das sorbische Volk ein.“
Die Auszeichnungen machen deutlich, wie vielfältig die Arbeit für den Erhalt einer Minderheitensprache und ihrer Kultur ist. Sie reicht von Sprachkursen und Bildungsprojekten über die Pflege traditioneller Bräuche bis hin zu zeitgenössischer Musik und digitalen Angeboten. Entscheidend sind dabei Menschen, die Verantwortung übernehmen und ihr Wissen an jüngere Generationen weitergeben.
Die AGSM gratuliert allen Preisträgern und Trägern des Ehrenabzeichens und dankt ihnen für ihren langjährigen Einsatz. Ihr Engagement ist ein wichtiger Beitrag zur Zukunft der sorbischen Gemeinschaft und zugleich ein Beispiel für die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit innerhalb der slawischen Minderheiten Europas.
Musikalisch begleitet wurde die Preisverleihung von Walburga Walde und Izabela Kałduńska mit nieder- und obersorbischen Liedern.
Foto: Domowina/Bojan Benić


